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Zeit mit LOU

...die nachfolgend beschriebenen Ereignisse haben sich vor genau 30 Jahren abgespielt - und die davon zeugenden Bilder haben sich irgendwo in den "Untiefen" unseres Hauskellers versteckt gehalten - jedoch ein alter Spruch kommt auch diesmal zu Ehren: Haus verliert nichts....! So schauen wir uns erst einmal diese Fotokollage an, die ich damals angefertigt hatte und die jetzt wieder aufgetaucht ist:

Zeit mit LOU

...ja, man muss schon einige Zeit drauf gucken, um zu erkennen, was es überhaupt darstellt! Aber genau so chaotisch, wie dieses Bild sugeriert, war auch damals diese sagenhafte LOU VAN BURG-RTL-Radio-Sendung namens "CASINO PARADE", wo ich genau 94 mal mitgemacht habe - in der Zeit von 1982-1984, von insgesamt genau 196 Sendungen!

Erstens, es ist interessant, wie ich zu dieser Sendung gekommen bin - und dann, warum ich fast die Hälfte der Sendungen gemacht habe, obwohl damals genügend andere Organisten zur Verfügung standen! Zweitens, man sollte sich in Erinnerung rufen, wie diese, damals äußert beliebte RTL-Radio-Sendung mit ca. 4 Millionen Radio-Zuhörer täglich (!) überhaupt gestaltet war und welche von Montag bis Freitag jeweils von 12:00 bis 14:00 Uhr LIVE gelaufen ist! Und drittens, man sollte sich an diesen einmaligen Sprech- und Gesang-Künstler Lou van Burg erinnern, denn er war in seinem Fach Jahrzehnte lang Meister aller Klassen!

Teil 1 - Vorgeschichte. Im Jahre 1982 war ich als Wersi-Samstags-Vorführer in der damaligen Wersi-Niederlassung in Neuss tätig. Führte die neuesten Wersi-Produkte in einer eigenen, sehr beliebten Weise vor, indem ich die Orgel so schräg mit den Tasten zum Publikum gedreht hatte - denn das Publikum bei Wersi war immer ein "Fach-Publikum" - alle insgesamt gute "Löter" - aber darunter auch einige, die relativ gut Orgel spielten und immer wieder den Profis "auf die Finger" schauen wollten! In der Wersi-Niederlassung Neuss befand sich auch meine eigene, zweite Orgelschule, wo damals der junge, sehr talentierte Musik-Student BERNIE GREIN den Direkt-Unterricht an Wersi-Orgeln gab - und so war jeder Samstag damals eine "Happy-Hour"! Meine "Orgelschule erfrischend anders" wurde gerade frisch gedruckt und es waren schon einige RTL-Sendungen in Luxemburg diesbezüglich gelaufen - die RTL-Ferseh-Sendung hieß "Kein Tag wie ein anderer" - ich spielte dort 6 mal auf meiner eigenen Wersi Alpha 350 - immer live! Und dann bekam Wersi den Zuschlag, die neue Lou van Burg-Radio-Sendung mit Live-Musik zu begleiten. Wersi hatte damals ja 12 Niederlassungen und überall gute Organisten aufgeboten - neben der fest etablierten Größen wie Lambert, Wunderlich, Prina, Ady usw.

Teil 2 - Casino Parade. Diese Sendung war ein "Live-Chaos-hoch-3": Man stelle sich einen typischen Tanzlokal der 80er vor, mit einer runden Tanzfläche und drum herum kleine Tische und oben auf der ebenfalls runden Balustrade ebenso. Die Saal-Dekoration war eine Mischung aus Wein-Fest, Karneval und Silvesterveranstalung! Die Rede ist vom damals legendären "Weinstuben" in Düsseldorf, wo täglich drei öffentliche Veranstaltungen liefen: von 12-14 Uhr "Casino Parade", von 16-18 Uhr Tanztee und von 20 Uhr bis Mitternacht Groß-Tanzveranstaltung. Dazu stelle man sich immer nur Live-Musik vor - also von Orgel-Alleiunterhalter über kleine bis große Musik-Kapellen, welche jedes Mal ihr gesamtes Equipment auf- und abbauen mussten! Ein Horror, sage ich Ihnen! Die Firma Wersi stellte dafür eine Helios mit CX1 und einen Techniker zur Verfügung - denn durch den täglichen Auf/Abbau ging schon mal eine Lötstelle auf! Das gleiche galt auch für die RTL-Technik-Mannschaft, welche die komplette Verkabelung im Saal und nach Luxemburg ständig neu aufbauen musste. Wenn Sie sich das Bild genauer anschauen, dann werden Sie mich ganz links unten mit einem "Spezial-Kopfhörer" sehen - da war in einem Ohr der Lou live im Weinstuben und im anderen Ohr ständige Direkt-Leitung nach Luxemburg mit folgender intern Absparche: Sobald die Funk-Leitung zusammenbrach, musste ich sofort irgendetwas losspielen, jedoch das hörte man im Saal nicht - Lou sah das, und hat dann die Sendung so lange mit Publikums-Dialogen aufrecht erhalten, bis die Leitung wieder stand - usw. - dies während der Sendung manchmal 3-4 Mal! Die Sendung selbst war ein Quiz- und Glücks-Spiel á la Lou: Eine große Drehscheibe mit Zahlen und ein Las-Vegas-Geld-Automat sorgten ständig - zusammen mit der berühmten Lou-Moderation - für gute Laune. Und dazwischen jeden Tag ein anderer Musik-Gast aus der Szene - mit einer besonderen Auflage: Sie sollten nicht Ihre Platten laufen lassen - sondern mit dem Organisten Live etwas "anderes" singen! Der LIVE-Spiel-Zwang war später auch der "Zankapfel" zwischen dem Lou und einige Star-Gästen und Gast-Star-Organisten - welche natürlich daran interessiert waren, zuerst ihre neuesten LP's vorzustellen - im Halbplayback-Verfahren! Das führte letztendlich dazu, dass Lou irgendwann anfing nur noch auf "seine" Live-Spieler zurückzugreifen - zwei davon waren Bernie Grein (aus Neuss, ca 10 Km entfernt) und Brazza Radic (aus Wegberg, ca. 40 Km entfernt). Das war der Hauptgrund für meine hohe Auslastung bei dieser Sendung - ich war relativ nah dran, ich war immer abkömmlich - und ich war der Live-Spieler nach Lou's Vorstellung: Einfach loslegen auf Zuruf!

Teil 3 - Lou in memoriam. Lou van Burg (* 25. August 1917 in Den Haag, Niederlande; † 26. April 1986 in München; bürgerlich Loetje van Weerdenburg; Spitznamen „Mister Wunnebar“ und „Onkel Lou“) war ein niederländisch-deutscher Showmaster und Entertainer. Lou van Burg begann seine Entertainerlaufbahn in den 1950er Jahren als Sänger und Tänzer in diversen Pariser Nachtclubs. Sein bekanntester Schlagertitel erschien 1954 mit "Nicolo, Nicolo, Nicolino". Er entwickelte sich zu einem der bekanntesten Conférenciers und Showmaster im deutschsprachigen Raum. Ein Menjoubärtchen und der Ausruf "Wunnebar" waren seine Markenzeichen.

LOU 1981

Seine erste Fernsehshow im Jahre 1958 "Jede Sekunde ein Schilling", ausgestrahlt vom ORF, war ein großer Erfolg. Daraufhin engagierte ihn die ARD für "Sing mit mir - spiel mit mir", eine allerdings vorzeitig abgebrochene Reihe. Nach zögerlichen Verhandlungen mit dem ZDF moderierte Lou ab 1964 die TV-Show "Der goldene Schuss" mit gigantischem Erfolg. Dennoch beendete der Sender 1967 die Zusammenarbeit, nachdem Affären um sein Privatleben in die Publikationen aller Boulevardmedien gelangten.

Für die nächsten neun Jahre musste Lou sich auf seinen Nebenberuf als Conférencier beim Zirkus Althoff konzentrieren, in Einkaufszentren und bei Butterfahrten auftreten. 1976 bis 1983 moderierte er dann wieder für das ZDF: die Sendung "Varieté, Varieté" (in der internationale Zauberkünstler, Akrobaten und Show-Artisten auftraten), ab 1976 die Evergreensendung "Wir machen Musik" und 1983 "Spiel mit Onkel Lou". Ende der 1970er Jahre holte ihn der damalige Programmdirektor Frank Elstner zum deutschen Hörfunkprogramm von Radio Luxemburg, wo er von 1979 an jeweils sonntags zur Mittagszeit (12 bis 14 Uhr) die Show "Familientag mit Onkel Lou" live aus dem damaligen Traumlandpark Bottrop-Kirchhellen moderierte. Diese Show wurde zwar nur vom Radio übertragen, wurde von RTL aber intern zur Entwicklung und Übung von Fernseh-Liveübertragungen genutzt. 1981 bis 1984 moderierte er zusätzlich die Radiosendung "Casino-Parade" live aus dem Weindorf in Düsseldorf. Außerdem hatte er in den letzten Jahren seines Lebens auch noch ein Engagement am Kölner Millowitsch-Theater in der Boulevard-Komödie „Schloss Rabeneck“.

1986 starb Lou van Burg an den Folgen einer Leukämie, an der er viele Jahre gelitten hatte. Er wurde auf dem Neuen Südfriedhof in München bestattet.

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